Wenn keine Ursache gefunden wird
Sie waren schon in vielen Praxen, haben zahlreiche Untersuchungen hinter sich, und trotzdem findet niemand eine ausreichende Erklärung für Ihre Beschwerden? Sie fühlen sich mit Ihren Symptomen allein gelassen oder bekommen sogar zu hören, das sei „alles nur psychisch“?
Ihre Beschwerden sind echt. Sie sind weder eingebildet noch vorgetäuscht. Fachleute sprechen von somatoformen Störungen: körperliche Beschwerden, für die sich keine oder keine ausreichende organische Ursache findet und bei denen seelische Belastungen eine wichtige Rolle spielen. Solche Beschwerden sind häufig. Die wichtigsten Formen möchte ich Ihnen hier vorstellen.
Somatisierungsstörung (F45.0)
Mal schmerzt der Rücken, dann der Bauch, dann kribbelt es in den Beinen oder Ihnen ist übel? Die Beschwerden kommen und gehen und wechseln immer wieder den Ort?
Kennzeichen sind vielfältige körperliche Beschwerden, die wiederholt auftreten, häufig wechseln und seit mindestens zwei Jahren bestehen. Betroffen sein kann jeder Teil des Körpers. Häufig sind Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Aufstoßen oder Bauchschmerzen, ungewöhnliche Hautempfindungen wie Jucken, Brennen, Kribbeln oder Taubheit sowie Schmerzen an wechselnden Stellen. Viele Betroffene haben einen langen Weg durch Praxen und Kliniken mit vielen unauffälligen Untersuchungen hinter sich. Die Beschwerden verlaufen oft in Wellen und belasten häufig auch Familie, Partnerschaft und Beruf.
Hypochondrische Störung (F45.2)
Sie haben große Angst, ernsthaft krank zu sein? Ein Druck in der Brust, ein Knoten unter der Haut oder Kopfschmerzen lassen Sie sofort an einen Herzinfarkt, Krebs oder einen Hirntumor denken? Unauffällige Befunde beruhigen Sie nur für kurze Zeit?
Im Mittelpunkt steht die anhaltende Sorge, an einer oder mehreren schweren, fortschreitenden Krankheiten zu leiden. Ganz normale Körperempfindungen werden als bedrohlich erlebt und genau beobachtet, oft mit Blick auf ein oder zwei bestimmte Organe. Viele Betroffene suchen immer wieder ärztlichen Rat oder recherchieren stundenlang im Internet, andere meiden Arztbesuche aus Angst vor dem Ergebnis. Auch die quälende Überzeugung, ein Körperteil sei entstellt, obwohl andere das nicht so sehen (Dysmorphophobie), zählt dazu. Ängste und depressive Verstimmungen kommen häufig hinzu.
Somatoforme autonome Funktionsstörung (F45.3)
Ihr Herz rast oder stolpert, Sie bekommen schlecht Luft, der Magen rebelliert oder Sie müssen ständig zur Toilette, doch EKG, Magenspiegelung und Laborwerte sind unauffällig?
Hier betreffen die Beschwerden Organe, die weitgehend unwillkürlich, also vom vegetativen Nervensystem, gesteuert werden: vor allem Herz und Kreislauf, Magen und Darm, die Atmung sowie Blase und Harnwege. Typisch sind zum einen Zeichen körperlicher Anspannung wie Herzklopfen, Schwitzen, Erröten oder Zittern. Zum anderen treten wechselnde, schwer greifbare Beschwerden auf, etwa Brennen, Druck, ein Engegefühl oder das Gefühl, aufgebläht zu sein, die Betroffene einem bestimmten Organ zuordnen. Bekannte Beispiele sind die sogenannte Herzneurose, ein nervöser Magen oder Darm, anfallsartiges schnelles Atmen (Hyperventilation) oder eine Reizblase.
Anhaltende Schmerzstörung (F45.4)
Sie haben seit Monaten Schmerzen, die einfach nicht nachlassen? Die Untersuchungen erklären nicht, warum es so wehtut, und auch Schmerzmittel bringen kaum Linderung? Ihr Alltag dreht sich zunehmend um den Schmerz?
Kennzeichen einer anhaltenden Schmerzstörung ist ein über mindestens sechs Monate bestehender, andauernder und quälender Schmerz, der nicht vollständig durch einen Krankheitsprozess erklärt werden kann. Häufig tritt dies im Zusammenhang mit emotionalen Konflikten oder psychosozialen Belastungen auf.
Chronische oder therapieresistente Schmerzen
Lange bestehende Schmerzen können Patienten in ihrer Lebensführung beeinträchtigen. Oft können diese nicht in einem zufriedenstellenden Maß therapiert werden. Dann werden die Schmerzen der Grund, dass Sie sich mehr und mehr aus Ihren Freundschaften zurückziehen und sich in Ihren Freizeit- und Alltagsaktivitäten einschränken. Viele Patienten fühlen sich unverstanden und gegebenenfalls nicht ernst genommen.
Ziel der Verhaltenstherapie ist, Ihre Verhaltensmuster und die zugrundeliegenden Gedanken zu erkennen. Sie können lernen, sich von Ihren nicht dienlichen Gedanken zu lösen und Ihre Handlungen so auszurichten, dass Ihr Erleben wieder reicher an Erfahrung wird und Sie trotz Schmerzen wieder mehr Lebensqualität erlangen.
Wie Psychotherapie helfen kann
Wichtig ist zunächst, dass körperliche Ursachen ärztlich sorgfältig abgeklärt sind. In der Psychotherapie geht es dann nicht darum, Ihnen Ihre Beschwerden auszureden. Gemeinsam schauen wir, wie Körper, Gedanken, Gefühle und Belastungen zusammenwirken und was Ihre Beschwerden verstärkt oder lindert.
Mit der ACT lernen Sie, Körperempfindungen und sorgenvolle Gedanken wahrzunehmen, ohne sich von ihnen beherrschen zu lassen. So gewinnen Sie Schritt für Schritt wieder Spielraum für das, was Ihnen im Leben wichtig ist.
Fachärztin für Anästhesie und Akupunkteurin
Wie sehr Menschen unter Krankheit, körperlichen Schmerzen und Schicksalsschlägen leiden, habe ich jahrelang mitverfolgen können. Ein adäquates Hilfsangebot zu leisten, war mir damals nicht möglich. Heute schon. Kontaktieren Sie mich, wenn Sie diesbezüglich Unterstützung brauchen.
Hinweis zu den KostenSollten Sie an einer psychischen Erkrankung leiden, beachten Sie bitte meine Hinweise zur Kostenübernahme durch die Krankenkasse bzw. -versicherung unter Kosten & Ablauf.